Auftaktveranstaltung in Rostock-Warnemünde

„Man sollte keine Angst haben zu fragen und zuzugreifen“

Die Vielfalt ist groß, Frauen aus unterschiedlichen Branchen, in verschiedenen Lebensphasen und auch einige wenige Männer – das verrät der erste Blick bei der Auftaktveranstaltung „Zukunft durch Aufstieg“ am 8. September im TZW in Warnemünde. Im Verlaufe des Tages stellt sich heraus, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, im Job zu agieren und zu führen. Für Mentee Christine Hensel steht fest: „Ich habe viele Frauen heute erlebt, die ganz unterschiedlich an die Herausforderungen herangehen.“


Rund 60 Tandems im Land gestartet

Genau dies ist der Ansatz des Mentoring Programmes, das nun in den 3. Durchgang gestartet ist. Dank der Förderung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Ministeriums für Arbeit, Gleichstellung und Soziales können im Land Mecklenburg-Vorpommern über 60 Tandems aus der Wirtschaft gebildet werden. „Machen Sie das Beste für sich daraus! Als Mentee und als Mentoren und Mentorinnen!“, ermutigt die Leiterin der Leitstelle für Frauen und Gleichstellung des Ministeriums für Arbeit, Gleichstellung und Soziales, Dr. Birgit Gabler die Teilnehmer und Teilnehmerinnen.


Dr. Birgit Gabler
„Machen Sie das Beste für sich daraus! Als Mentee und als Mentoren und Mentorinnen!“

Auch die Projektleiterin der Koordinierungsstelle „Zukunft durch Aufstieg“ Renate Heusch-Lahl von der UdW GmbH sagt: „Wir wollen einen Schubs geben, noch mutiger nach vorne zu gehen. Frei nach dem Motto von Kennedy: Frage selbst nach, was du im Job umsetzen kannst, warte nicht, bis du gefragt wirst.“ Zudem sei Mentoring eine Chance für Rekrutierung und richtet sich daher an die Unternehmen. Es mache Sinn, das Potenzial im Land zu fördern. Insgesamt wünscht sie allen Teilnehmerinnen mehr Leichtigkeit im Job.


Renate Heusch-Lahl
„Wir wollen einen Schubs geben“

Inga Knospe begeistert das Publikum mit ihren Tipps aus dem Berufsalltag. Seit zwei Jahren ist sie Geschäftsführerin der Großmarkt GmbH Rostock. „Ich habe mir auf meinem Weg gute Wegbegleiter gesucht und mich nicht gescheut zu fragen“, erzählt die 33-Jährige. „Ich habe mich auch vor schwierigen Entscheidungen nicht gedrückt.“ Auch ihre Karriere war nicht immer einfach, räumt sie ein. „Es ist immer etwas schwierig, jung in eine Führungsposition einzusteigen. Es existiert eine interne Hackordnung.“

„Es hat mit Mut zu tun zu sagen: Ich weiß nicht weiter“, findet die Rostockerin, die in Stralsund Tourismusmanagement studiert hat. „Es macht eine gute Führungskraft aus zu wissen, dass nicht alles klappen kann“, sagt die Chefin von zehn Mitarbeitern. Daher wirbt die junge Geschäftsführerin für eine neue Fehlerkultur: „Es ist nicht schlimm Fehler zu machen, es wird schwierig, wenn diese nicht besprochen werden.“ Natürlich sei es immer schmerzhaft, kritisiert zu werden. „Kritik muss man aushalten. Besonders als Führungskraft. Damit muss man umgehen lernen.“ Sie empfiehlt: „Man muss dabei immer differenzieren: das bin ich persönlich, das ist meine Führungsrolle.“ Selbstverständlich gehöre Anerkennung unbedingt dazu. „Anerkennung im Beruf ist wichtig. Das machen Frauen besser.“ Sie rät allen Führungskräften: „Man sollte keine Angst haben zu fragen und zuzugreifen.“

 


Inga Knospe
„Man sollte keine Angst haben zu fragen und zuzugreifen.“

Silvia Kohlmann hat schon einige Merkwürdigkeiten im Beruf erlebt, erzählt die ehemalige Mentee ganz offen. So lobte ein Professor die geschäftsführende Gesellschafterin der envitecpro GmbH auf einer Tagung in Brasilien, als sie vor 600 Personen einen Vortrag hielt. „Da habe ich mich gefragt, wieso nicht. Ich bin schließlich keine zwölf mehr.“ Ihr Business ist die Internationale Projektentwicklung im Bereich Umwelttechnologien und das Motto der 37-Jährigen ist klar: „Be a voice, not an echo“. Die Chefin von sechs Mitarbeitern stellt rückblickend fest: „Das Mentoring hat mir geholfen selbstbewusster zu werden und Entscheidungen zu treffen vor denen ich früher Angst hatte.“


Silvia Kohlmann
„Be a voice, not an echo.“

Der Personalleiter der Hanse Yachts AG in Greifswald, Manfred Floto, hat sich wieder als Mentor angeboten: „Ich konnte aus meinem Erfahrungspotential viel mitgeben. Am wichtigsten war jedoch die Stärkung des Selbstbewusstsein.“ Für ihn ist es wichtig: „Wir müssen neben der Arbeit den Spaß pflegen.“


Manfred Floto
„Wir müssen neben der Arbeit den Spaß pflegen.“

Am Nachmittag stehen sechs Führungsfrauen Rede und Antwort. In einem Speed Dating ermutigen sie die Mentees sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Die Personalleiterin des Deutschen Roten Kreuzes in Parchim, Sylvia Heinrich, erlebt ihre Tätigkeit als Mentorin als sehr bereichernd: „Ich kann für mich sagen, dass ich immer wieder in der Verantwortung war, meine Rolle und den Auftrag im Rahmen des Mentoring zu reflektieren.“ Auf die Frage von einer Mentee aus der Runde: Was ist, wenn man sein Ziel erreicht hat und Geschäftsführerin oder Personalleiterin ist? War es das dann? Kommt dann noch was? stellt Frau Heinrich klar: „Wichtig ist es immer die Neugier zu bewahren und zu erhalten! Das ist menschlich. Immer offen für etwas Neues sein, auch wenn du denkst du bist am Ziel und es geht nicht weiter. Wenn eine Tür offen steht, sprich, du die Chance hast im Unternehmen etwas zu bewirken, trau dich und geh durch die Tür. Sei neugierig, wage den Schritt durch die Tür und schau was dahinter passiert. Du würdest es bereuen, wenn du es nicht tun würdest und das Beste vielleicht verpasst.“


Sylvia Heinrich
„Immer offen für etwas Neues sein, auch wenn du denkst du bist am Ziel und es geht nicht weiter“

Auch die anderen Führungsfrauen berichten aus ihrem Berufsalltag und ermutigen die Mentees. Ob Marjon Hopman-Wolthuis, die Geschäftsführerin des Schlosses Basthorst; die Geschäftsführerin der HAB Hallen- und Anlagenbau GmbH Wusterhusen, Kathrin Pörsch, die Gebietsleiterin Vertrieb bei Cooper Vision und Gründerin von Unlimited Woman. Nicole Läbe, Heidelore Bühler, die Geschäftsstellenleiterin der VDI in MV und Ulrike Drews, die Prokuristin der UdW-Gesellschaft für Dienstleistung und Beratung – Unternehmensberatung der Wirtschaft mBH. Die Palette der Erfahrungen ist reichhaltig und jede geht ihren eigenen Weg.


Heidelore Bühler
„Ich bin ich“


Kathrin Pörsch
„Das ist euer Leben und ihr habt nur eins“

 


Nicole Laebe
„Finde dein Ziel, was dich wirklich begeistert. Das darf ruhig so groß sein, dass es dich ängstigt (sonst ist es zu klein) und dann dranbleiben und nicht aufgeben. Wenn ein Weg nicht geht, dann finde einen anderen!“

 


Marjon Hopman-Wolthuis
„Arbeiten soll Spaß machen!“

 


Ulrike Drews
"Trauen Sie sich auch in der Führungsarbeit Frau zu bleiben und den Mut haben auf ihre eigene Art Führungsarbeit zu gestalten."

Nun beginnen die Treffen der Mentees mit ihren Mentoren, die begleitenden Workshops und Seminare. Die Zwischenveranstaltung ist für den 6. April 2017 in Greifswald geplant.

 

„Frauen sollten mutiger sein“

Interview mit der Leiterin des ZDF Landesstudios Mecklenburg-Vorpommern, Sylvia Bleßmann

Seit zehn Jahren leiten Sie das ZDF Landesstudio Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Wie haben Sie den Weg dahin geschafft? Welche Hürden mussten Sie meistern?

„Ich bin mit Herzblut Fernsehjournalistin. Dafür habe ich viel Energie investiert. Mir war es stets wichtig, selbst gestalten zu können. Natürlich gab es auch auf diesem Weg Missgunst und Konflikte. Auch heftige Vorurteile etwa, dass ich diese Aufgabe in einem ostdeutschen Studio eines bundesweiten Senders nur bekommen hätte, weil ich Ostdeutsche und eine Frau bin. Dem bin ich begegnet. Mit Leistung, Ironie und einer inneren Haltung, nie meine Wurzeln und meine Prägung zu verleugnen. Ich bin Ostdeutsche und wollte niemals eine eilig gewendete Westdeutsche werden. Das war nicht immer einfach. Aber ich war davon überzeugt, dass mir ein direkter und ehrlicher Umgang mit den Menschen weiter hilft.“

Ostdeutschen Frauen wird gerne nachgesagt, selbstbewusster und zielstrebiger zu sein, da es zu DDR-Zeiten selbstverständlich war, dass die Frau im Beruf „ihren Mann“ steht. Finden Sie das auch? Haben sich die Frauen nach der Wende verändert?

„Ich selbst sehe mich als Frau mit einer ostdeutschen Sozialisation. Mit dieser Prägung haben wir jungen heranwachsenden Frauen geglaubt im Leben den gleichen Platz einnehmen zu können, wie die Männer. Auch wenn das später für viele Frauen nicht so war, Doppelbelastungen den Alltag unserer Mütter ausmachten. Diese Selbstbewusstsein hat mich ins Leben getragen und stets anspruchsvolle Ziele verfolgen lassen. Heute bin ich schon verwundert, dass viele junge Frauen von Anfang an zurück stecken, schüchtern oder gar verkrampft auftreten und sich nicht trauen, sich Ziele zu setzen oder diese klar zu kommunizieren.“

Was würden Sie Ihrer 20-jährigen Nichte in punkto Karriere empfehlen?

„Trau dich. Gehe deinen Weg. Sei mutig und auch laut – wenn es sein muss!

Mach Dich nicht von Männern abhängig, werde kein Anhängsel für jemanden der dein Leben bestimmt! Kommuniziere deine Vorstellungen von Partnerschaft rechtzeitig.“

„Als Mentee bist du verantwortlich für den Mentoringprozess“ - Einführungsworkshops klären Rollen

„Als Mentee bist du verantwortlich für den Mentoringprozess“ – diese Erkenntnis durchzieht alle Einführungsworkshops für die Mentees, die im September in Ludwigslust, Greifswald, Schwerin, Rostock-Warnemünde und Neubrandenburg stattgefunden haben. In Teams erarbeiten die Teilnehmerinnen die Rollenklärung im Tandem und betonen die Vertraulichkeit und die Verbindlichkeit. Sie nehmen sich vor, sich konkreten Aufgaben zu stellen und Besprochenes in die Tat umzusetzen. Auch Mentoren nutzen die Gelegenheit zur Selbstreflexion bei Workshops in Schwerin und Rostock-Warnemünde.

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