Ob Führung oder Kommunikation, ob Mentee oder Mentorin – der Austausch untereinander lohnt immer

 

Grußwort von Ministerin Drese
Neue Schirmherrin des Mentoring-Projektes

Sehr geehrte Gäste,

zuweilen wird in der Wirtschaft noch beklagt, dass es schwierig sei, gute Frauen für Spitzenpositionen zu finden. Die Erfahrungen im Cross-Mentoring-Programm „Zukunft durch Aufstieg“ zeigen erfreulicherweise, dass wir zahlreiche hervorragend qualifizierte Frauen haben, die außer ihrer fachlichen Expertise genügend Erfahrungen, Engagement und Durchhaltevermögen für eine Führungsposition mitbringen, auch in der Wirtschaft.

Doch – warum wird sich darum so bemüht? Warum sollten Frauen auch in der Wirtschaft verstärkt in Führung gehen?

Die Gründe dafür sind so einfach wie vielfältig: gemischte Führungsteams arbeiten effektiver, Frauen bereichern Führungsteams, verändern Blickwinkel in der Führungsebenen und führen zu veränderten Entscheidungen für die Beschäftigten. Die Frauen und die Unternehmen profitieren gleichermaßen von dieser Entscheidung und Entwicklung.

Ich unterstütze sehr gern als Schirmherrin das Mentoring-Projekt „Zukunft durch Aufstieg“ für weibliche Nachwuchsführungskräfte, um Frauen bei ihrem Aufstieg in Führungspositionen in Unternehmen oder Institutionen mit wirtschaftsnahen Strukturen zu begleiten. Ich bin überzeugt, dass ein solches Programm motivierte und leistungsfähige Frauen gut auf eine Führungsposition vorbereitet und für diese Rolle stärkt.

Die Unternehmen, deren Mitarbeiterinnen sich beteiligen, setzen nicht nur ein wertschätzendes Zeichen gegenüber ihren weiblichen Fach- und Führungskräften. Sie zeigen auch, dass sie die Weichen für eine geschlechtergerechte Personalpolitik gestellt haben.

Mich freut sehr, dass mehr als zwei Drittel der Teilnehmerinnen Kinder haben. Dementsprechend spielt das Thema Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben eine große Rolle. Dieser hohe Anteil von Frauen mit Familienverantwortung zeigt auch, dass Führung trotz oder gerade mit Familie möglich sein kann.

Mit freundlichen Grüßen

Stefanie Drese

 

Von Führungsprinzipien, Stärken und Herausforderungen

Seminar „Führung“ am 18. Oktober 2016 in Schwerin

14 Mentees kamen in die Räumlichkeiten der BARMER GEK Schwerin zu ihrem ersten Seminar mit dem Thema „Führung und seine Grundlagen“. Gezielte Fragen zur eigenen Führungserfahrung und der Frage, wie die Mentees zu der Führungsaufgabe gekommen sind, leiteten den gemeinsamen Austausch ein. Das eigene Führungsverständnis ausbauen, die Rhetorik und die Selbstsicherheit stärken sowie den Erfahrungsaustausch nutzen, diese Wünsche äußerten die Teilnehmerinnen. Unter Anleitung der Trainerin Susanne Schrötter setzten sich die Mentees mit Führungsprinzipien auseinander, lernten ihre Stärken und Herausforderungen – eben nicht Schwächen kennen und tauschten sich als Weggefährtinnen aus. In einem Mix aus Theorieinput, Diskussion und Übung stand das Ausprobieren an oberster Stelle. Das abwechslungsreiche und sehr praktisch orientierte Seminar wurde durch ein kurzes Statement von jeder Teilnehmerin abgeschlossen. Die Teilnehmerinnen reflektierten einen sehr produktiven Tag mit vielen hilfreichen Anregungen und nützlichen Impulsen, um ihr bisheriges Führungsverständnis zu hinterfragen und umzudenken.

Lydia Maaß

Was bedeutet Führung?

Für jeden einzelnen bedeutet Führung etwas anders und es lohnt sich darüber nachzudenken – die Mentees tun dies. Für Tina Vierk ist die Sache klar: "Führung ist anleiten und vorangehen“, so die 28-jährige Rostockerin, die als Prokuristin in einer Werbeagentur arbeitet. Die 38- jährige Schwerinerin Christine Hensel sagt: „Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, wo einer den Dirigentenstab in der Hand halten muss, ohne die Meinung anderer zu untergraben.“ Die Betriebswirtin sammelte bereits Erfahrungen in Norwegen und blickt daher durchaus kritisch auf die Unternehmenskultur in Deutschland. Seit kurzem ist Nadja Dahlhaus Mitglied des Vorstands für Interne Kommunikation & Organisationsentwicklung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie in Greifswald. „Führung bedeutet für mich persönlich, authentisch zu sein, Verantwortung für andere Menschen übernehmen und dahingehend nachhaltige Entscheidungen treffen“, so die 36-Jährige.

Renate Heusch-Lahl


Tina Vierk „Führung ist anleiten und vorangehen“

Rollenklärung als Führungskraft

Authentizität ist eine gute Sache. Aber mal ehrlich. Möchten Sie, wenn Sie zu Ihrem Arzt kommen, dass er Ihnen sein Herz ausschüttet über Probleme mit der Ehefrau oder pubertierenden Kindern, statt sich nach Ihren Beschwerden zu erkundigen? Ob Familie, Beruf oder Freizeit, in allen sozialen Systemen agieren wir in Rollen. Sie bestimmen unseren Platz, das dort von uns erwünschte Verhalten und die Beziehung zu den jeweiligen Mitspieler*innen. Unsere Rollen denken wir uns also nicht selbst aus, sie werden uns von den Beteiligten zugewiesen. Rollen schränken unsere Handlungsmöglichkeiten ein und geben zugleich Sicherheit.

Auch wer eine Führungsaufgabe übernimmt, nimmt damit eine berufliche Rolle ein. Im Gegensatz zur Position, wie z.B. Abteilungsleiter*in und zur Funktion, die sich aus einer Arbeitsplatzbeschreibung oder Aufgaben-Portfolio ergibt, ist die Führungsrolle allerdings meist völlig undefiniert und nicht im Arbeitsvertrag beschrieben. Diese ungeschriebenen Gesetze, wie sich die Führungskraft wem gegenüber richtig zu verhalten hat, gilt es herauszufinden. Auch das ist Führungsaufgabe.

Um nicht aus der Rolle zu fallen, muss ich sie kennen.

Wer bin ich (hier) und was soll und darf ich (hier) tun? Bei der Antwort auf diese Frage kann das Erstellen einer Rollenlandkarte hilfreich sein.

Rollenlandkarte zeichnen:

»  in die Mitte eines Blattes einen kleinen Kreis zeichnen, in den Sie ‚ICH‘ schreiben
»  rundherum die anderen Mitspieler*innen aus Ihrem Berufsalltag in weiteren Kreisen platzieren (Mitarbeiter*innen, eigene Führung, Kund*innen…), Größe und Abstand der Kreise zeigen, wie häufig Sie Kontakt haben und wie wichtig die Mitspieler*innen sind
»  ziehen Sie Verbindungslinien zwischen sich und den anderen Kreisen
»  schreiben Sie die wichtigsten Erwartungen der jeweiligen Gruppe daneben (Wie sollte ich mich ihnen gegenüber verhalten?)
»  geben Sie der Rolle einen Namen, wie könnte sie heißen? (z.B. „Mädchen für alles“, „Fels in der Brandung“…)
»  bewerten Sie Ihre jeweilige Rolle mit

+ , wenn Sie sie schätzen
- , wenn Sie sie nicht schätzen
? , wenn Sie Ihnen unklar ist.

Das könnte dann so aussehen:

Nun überlegen Sie, was sich durch diese Übung verändert hat. Gibt es weiteren Klärungsbedarf? Mit wem sollten Sie reden?

(nach: Ruth Seliger, Das Dschungelbuch der Führung. Ein Navigationssystem für Führungskräfte Rollenklarheit)

Susanne Schrötter
Trainerin und Dozentin für Kommunikation
Moderatorin

Seminar für Mentorinnen und Mentoren

Es war ein ganz besonderer Workshop. Das Thema war: Wertschätzende Gesprächsführung. Dozentin: Frau Dr.Susanne Schütt. Wir Mentoren kamen schnell in ein wertschätzendes Gespräch, zu uns, unserer Rolle als Mentorinnen und Mentor und zu unseren Erfahrungen. Das wollten wir so. Und es ergab sich daraus ein sehr intensiver Austausch zu einem speziellen Thema. Wir haben zu Klärung neue Herangehensweisen gelernt, gleich ausprobiert und konnten erleben, wie viel Kompetenz und Berufs- und Lebenserfahrung im Raum waren. Die Dozentin hat das Ganze sehr erfahren gelenkt und kompetent bereichert. Ich denke, ich kann für alle sprechen: Gern mehr davon – das war ein ganz besonderer Workshop!

Edda Krüger

70 Tandems haben ihre Arbeit aufgenommen

Ob in der Werbeagentur, im Hotel, im produzierenden Bereich – die Mentees arbeiten in vielen verschiedenen Branchen. Von Ludwigslust über Schwerin, Rostock, Stralsund bis Neubrandenburg – die Mentees kommen aus vielen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern. Alle eint der Wunsch, mit Hilfe einer Mentorin oder eines Mentors ihr eigenes Führungsverhalten zu reflektieren und noch selbstbewusster im Beruf zu werden. 70 Tandems haben ihre Arbeit aufgenommen. Neben den Treffen zwischen Mentee und Mentorin oder Mentor gibt es vielfältige Seminarangebote. Der nächste Höhepunkt steht am 06. April 2017 an, wenn sich die Interessierten bei der Zwischenveranstaltung in der Universität Greifswald treffen.

Renate Heusch-Lahl