News vom 20.03.2017

Ulrike Parson: „Führung heißt Verantwortung abgeben“

Unternehmerin ermutigt zu moderner Führung auf Zwischenveranstaltung am 6. April 2017 in Greifswald

Frage: Wie muss ich heute ein Unternehmen führen, um weltweit mithalten zu können?

Antwort: Zum einen darf ein Unternehmen heute nicht mehr streng hierarchisch geführt werden. Ein agil geführtes Unternehmen ist flexibel und kann sich besser an wechselnde Marktbedingungen anpassen. Führung bedeutet daher, die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und der Teams zu stärken und loslassen zu können. Führung heißt Verantwortung abzugeben. Wir haben uns für den Weg entschieden, mehr Führungsaufgaben direkt in den Teams zu realisieren und selbststeuernde Teams zu bilden.

Zum anderen muss sich ein Unternehmen digitalisieren. Es ist nicht die Frage „ob“ sondern „wie“ und „wann“ die Digitalisierung umgesetzt wird. Dies gilt nicht nur für Produkte, sondern auch für Dienstleistungen. Wir bieten zum Beispiel Schulungen an und haben digitalisieren gerade den Bestellprozess. Damit sind keine langen Vorgespräche mehr notwendig.

Auch die Rahmenbedingungen der Arbeit verändern sich. Home-Office, Telearbeit und freiere Entwicklung der Mitarbeiter kann man nur fördern, wenn man die technischen und organisatorischen Voraussetzungen dafür schafft.

Frage: Welche Aufgaben obliegen dann Ihnen als Chefin?

Antwort: Als Chefin habe ich eine Unterstützungsfunktion. Dazu gehört die Geschäftsleitung, die strategische Planung von Unternehmenszielen, das Marketing, Repräsentationsfunktion oder Vertragsverhandlungen. Diese zentralen Funktionen können von den selbststeuernden Teams abgerufen werden. Man kann auch selbst als Teammitglied in Projekten mitarbeiten, um nicht den Kontakt zur Wirklichkeit zu verlieren.

Frage: Überfordern Sie mit der Selbstführung nicht manche Mitarbeiter?

Antwort: Einige fühlen sich überfordert, weil sie aus anderen Strukturen kommen. Ihnen fällt es schwer umzudenken. Sie müssen das Silodenken aufgeben, z.B. dass nur der Chef dafür verantwortlich ist, dass es wirtschaftlich läuft. Zur Selbststeuerung in den Teams gehört, dass sich die Teammitglieder mit zusätzlichen Themen wie Projektcontrolling, Ressourcenplanung oder Recruitment auseinandersetzen. Und es gehört der Mut dazu, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Frage: Wie wird sich die Arbeitswelt weiter verändern?

Antwort: Es werden noch mehr Tätigkeiten ausgelagert werden. Alles, was automatisierbar ist, werden künftig Roboter erledigen. Das birgt die große Gefahr, dass einfache Arbeiten nicht mehr gebraucht werden. Dies ist eine große gesellschaftliche Herausforderung. Auf der anderen Seite werden immer mehr qualifizierte Menschen, Wissensarbeiter, benötigt. Der Stress wird indes nicht abnehmen. Die Arbeitswelt wird enger und rauer.

Frage: Was raten Sie Frauen, die Führungspositionen in MV innehaben?

Antwort: Du musst dir die Verantwortung nehmen, keiner wird sie dir geben. Habe den Mut, auch im Meeting lauter zu sprechen, so wie viele Männer. Lass dich nicht entmutigen. Dazu gehört auch das Risiko zu scheitern.

Ulrike Parson (48) ist Vorstand der parson AG, geboren in Rostock und mit einem Abschluss der Universität Greifswald. Sie leitet das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern, das weltweit tätig ist und stellt sich auf der Zwischenveranstaltung des 3. Durchgangs „Zukunft durch Aufstieg“ am 6. April 2017 in der Universität Greifswald den Fragen von Renate Heusch-Lahl.

70 Tandems vom Mentees und Mentorinnen und Mentoren arbeiten seit Monaten intensiv miteinander im Rahmen des Programms „Zukunft durch Aufstieg - Mentoring für weibliche Nachwuchsführungskräfte in Mecklenburg- Vorpommern“ in den Regionen Ludwigslust/Parchim, Schwerin, Rostock, Stralsund und Neubrandenburg. Ziel ist es, mehr Frauen den beruflichen Aufstieg in Führungspositionen in Unternehmen oder Institutionen mit wirtschaftsnahen Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern zu ermöglichen. Begleitend dazu bietet die Koordinierungsstelle Veranstaltungen, Einführungsworkshops und verschiedene Seminare an.

Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) bis zum 31. Dezember 2017.

Zukunft durch Aufstieg – Eine Zwischenbilanz

Halbzeit beim 3. Durchgang des Mentoring Programmes

70 Tandems vom Mentees und Mentorinnen und Mentoren arbeiten seit Monaten intensiv miteinander. Begleitend dazu bot die Koordinierungsstelle Auftaktveranstaltung, Einführungsworkshops und verschiedene Seminare an. „Ich bin sehr beeindruckt von den Mentees. Sie sind engagiert und zielstrebig“, sagt die Leiterin der Koordinierungsstelle bei der UdW, Renate Heusch-Lahl.

Viele Führungsfrauen haben einen sehr hohen Selbstreflexionsgrad. Da kann das Mentoring stärken. Wichtig ist, sie mit bestimmten Schlüsselfunktionen und Strategien auszustatten, die sie konkret im Job umsetzen können. Ziel darf es nicht sein, immer weiter zu grübeln, sondern mehr Gelassenheit einzuüben. Daher ist es wichtig, dass die Mentorinnen und Mentoren als Vorbilder diese Reife vermitteln. Dies unterstreicht die Mentee Nadja Dahlhaus. Sie findet, dass das Programm helfe „bei der Entwicklung eines Rollenverständnisses und mich selbst zu reflektieren.“ Viele Führungsfrauen wollen perfekt sein und haben an sich selbst einen sehr hohen Anspruch. So sagt die Mentee Tina Vierk: „ Das  Mentoringprogramm hilft mir mich selbst und meine Umgebung besser zu verstehen und einordnen zu können.“ Die Mentee Christine Hensel wünscht sich, „persönlich stärker zu werden und mich auf Anforderungen als zukünftige Führungskraft besser vorzubereiten." 

Derzeit ist viel die Rede von Führungskräftemangel in Mecklenburg-Vorpommern. „Mentoring als Personalentwicklungsinstrument ist eine Chance, dem Führungskräftemangel zu begegnen und eigene Mitarbeiterinnen zu stärken und die Potenziale auszubauen“, betont Renate Heusch-Lahl. Die Karriereverläufe der Mentees sind sehr unterschiedlich. Allen gemeinsam ist eine bewusste Reflexion der eigenen Ressourcen und eine klare Formulierung der eigenen Karriereziele.

Die Mentees berichten, dass sie Vereinbarkeitsmodelle nachfragen. Flexible Arbeitszeiten oder Home Office sind durchaus möglich. Dennoch bleibt das Gefühl der Zerrissenheit zwischen den Anforderungen im Beruf und denen als Mutter eine permanente Herausforderung. Dahinter steht implizit der Anspruch auf allen Ebenen Höchstleistung erbringen zu wollen. Zudem ist für die Mentees virulent den männlichen Kollegen gegenüber zeigen zu wollen, dass die beiden Aufgaben vereinbar sind. „Die Gesellschaft spricht positiv von der Vereinbarkeit, aber in der konkreten Umsetzung fühlen sich die Führungsfrauen selbst verantwortlich und auch allein gelassen. Daher scheint es unabdingbar, das Selbstbewusstsein der Führungsfrauen weiter zu stärken, um so ihre Interessen besser durchsetzen zu können“, stellt Renate Heusch-Lahl fest. Insgesamt lässt sich konstatieren, dass viele, die dem Programm „Zukunft durch Aufstieg“ begegnen, sich lobend äußern. Durch die intensive Öffentlichkeitsarbeit werden Denkanstöße zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ gegeben.

Expertentipp von Frau Dr. Susanne Schütt:

Produktiver arbeiten mit der Pomodoro-Technik

Es gibt zahlreiche Zeitmanagement-Techniken, die mehr oder weniger gut helfen, die Zeit optimal zu nutzen. Besonders effektiv ist die Pomodoro-Technik, bei der es vor allem darum geht, Störung en und andere Zeitfresser weitestgehend auszuschalten. Die Technik wurde von Francesco Cirillo erfunden, der eine Eieruhr in Form einer Tomate benutzte.

Kernelement der Technik sind Arbeitseinheiten von 25 Minuten. Anschließend erfolgt eine fünfminütige Pause. Nach vier Zeiteinheiten wird eine längere Pause von 30 Minuten empfohlen. Die Pausen können für eine Kurzentspannung, einen Weg zum Kopierer oder in die Teeküche genutzt werden.

Meist lässt es sich nicht einrichten, den ganzen Tag störungsfrei zu arbeiten. Aber schon zwei oder drei „Tomaten“ pro Arbeitstag reichen oft, um die Effektivität deutlich zu steigern. Gehen Sie folgendermaßen vor:

•  Überlegen Sie, für welche Aufgaben störungsfreies Arbeiten besonders wichtig ist.

•  Schätzen Sie den Zeitbedarf für diese Aufgaben und bilden Sie 25-Minuten-Einheiten, indem Sie große Aufgaben unterteilen oder kleine Aufgaben zusammenfassen.

•  Überlegen Sie, mit welcher „Tomateneinheit“ Sie beginnen wollen.

•  Legen Sie alle Unterlagen und Hilfsmittel bereit, die Sie für die diese „Tomateneinheit“ benötigen.

•  Schalten Sie Störungen ab. Informieren Sie Ihr Umfeld und bringen Sie ggf. ein Schild an der Tür an. Das Telefon sollte während der „Tomateneinheit“ nicht klingeln, schalten Sie den Anrufbeantworter ein oder verabreden Sie mit einer Kollegin, dass diese in der „Tomatenzeit“ Ihre Anrufe entgegen nimmt. Vermeiden Sie Störungen durch Statusmeldungen von WhatsApp, Facebook und durch Ihr E-Mail-Programm.

•  Stellen Sie auf einer Eieruhr, einer Sanduhr oder z. B. auch mit einem Online-Timer 25 Minuten ein und starten Sie mit der „Tomateneinheit“.

Viel Erfolg!